App Logo

Momfluencing

Auf Instagram, TikTok und anderen sozialen Netzwerken zeigen Eltern, meist Mütter (sogenannte „Momfluencerinnen“) ihren Familienalltag. Sie berichten über Schwangerschaft, Erziehung, Haushalt oder Freizeit mit Kindern. Viele Menschen folgen ihnen, um Tipps zu bekommen oder sich auszutauschen. Momfluencing ist ein vielschichtiges Thema, das aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann. Auf der einen Seite können die geteilten Erfahrungen und Anregungen andere Eltern unterstützen. Dadurch, dass offen über Herausforderungen im Familienalltag gesprochen wird, fühlen sich viele Mütter oder Väter weniger allein und erleben ein Gefühl von Gemeinschaft. Studien zeigen, dass soziale Medien Eltern dabei helfen können, Informationen zu finden und sich mit anderen auszutauschen.

 Auf der anderen Seite kann das Momfluencing auch andere Auswirkungen haben. Soziale Medien wie beispielsweise Instagram zeigen oft nicht die ganze Realität. Gezeigt werden häufig schöne Wohnungen, fröhliche Kinder, gesunde Ernährung und scheinbar entspannte Eltern. Stress, Streit, Überforderung oder schlechte Tage bleiben oft unsichtbar. Niemand kann ständig gelassen, erfolgreich und glücklich sein. Es ist eine Scheinwelt der vermeintlich perfekten Familie. Das kann bei den konsumierenden Eltern, meist Müttern, zu Neid, Unsicherheit und Stress führen. Sie vergleichen sich ständig mit einem unrealistischen Ideal. Eigenen Fähigkeiten werden angezweifelt, Schuldgefühle, Unzufriedenheit und zu viel Druck können die Folge sein.

Des Weiteren werden beim Momfluencing auch häufig die Kinder im Internet gezeigt. Die Kinder können oft nicht selbst entscheiden, ob sie das möchten. Fotos und Videos sind online jahrelang verfügbar. Die Privatsphäre und die Rechte der Kinder werden verletzt, um möglich noch mehr Follower und Konsumenten zu gewinnen. Ein weiterer Punkt ist, dass die Inhalte von Momfluencern nicht auf Richtigkeit überprüft werden. Über Themen oder Probleme werden oft Informationen geteilt, die entweder sehr einseitig sind oder nicht von Fachkräften oder Studien belegt werden können. Das heißt, dass Eltern auch diese Inhalte kritisch hinterfragen oder bei seriösen Quellen überprüfen sollten.

 Momfluencing kann informieren, inspirieren und Menschen miteinander verbinden. Gleichzeitig sollten Eltern kritisch bleiben und Inhalte reflektieren. Wichtig ist, sich immer wieder bewusst zu machen: Perfekte Familien gibt es nicht. Hinter vielen schönen Bildern stehen genauso Herausforderungen, Fehler und anstrengende Tage wie in jeder anderen Familie.

Quellen und weiterführende Informationen:

Deutscher Bundestag (2025): Experten zeigen sich alarmiert über die Praktiken von Kinder-Influencern. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw46-pa-kiko-1117404

Menzel, Tessa-Marie (2026): Die „gute“ Mutter. Eine diskursanalytische Untersuchung von Mutterschaft in Sozialen Medien. Springer Vs.

ARD Mediathek (2024): Insta-Moms - Das Familienbusiness
https://www.ardmediathek.de/video/y-kollektiv/insta-moms-das-familienbusiness/ard/Y3JpZDovL3JhZGlvYnJlbWVuLmRlL2Y4ZjA5OTA4LTVjZDAtNDRkMy1hMzUxLTRjZDMzNWZlZTBmMi9lcGlzb2RlL3VybjphcmQ6c2hvdzo2MjA5YjVhYmQ4ODZhN2Fj